Honig and the City

Denkt man an Wien, dreht sich das Riesenrad vor dem geistigen Auge, hat man Schrammelmusik aus dem Heurigen im Ohr oder wandelt auf den Spuren von Sissi durch den Schlossgarten von Schönbrunn.

 

Denke ich an Schönbrunn, sehe ich ein Glas Honig auf meinem Frühstückstisch vor meinem geistigen Auge – auf dem Glas steht: „Blütenhonig“ Sommer – Wien – Schönbrunn. Er glänzt wie heller Bernstein in dem kleinen Glas... Honig made in Wien, der Hauptstadt Österreichs.

 

Wer hätte das gedacht? ICH! Denn die Imkerin ist meine Cousine Doris Wagner. Das finde ich sehr spannend und beschließe , mich mit ihr über ihr Imkerinnen-Dasein zu unterhalten...

 

Doris, warum hast Du Dich für die Bienen entschieden?

Als Kind bin ich auf meinem Heimweg von der Schule immer bei einem Imker vorbeigegangen und habe dort so oft wie möglich zugesehen und mir die Arbeit erklären lassen. Das war mein erster Kontakt zur Imkerei. Außerdem bin ich sehr naturverbunden, pflege mit großer Leidenschaft meinen Garten und beobachte die Tiere, die er beheimatet. Die zündende Idee, in meinem Garten Bienen einzuquartieren stammt aber letztendlich von Peter, meinem Lebensgefährten. Für mich war das, als ob er einen Kindheitstraum wachgeküsst hätte. Peter sprach die Idee aus und ich wusste sofort: "Ja genau, das wollte ich schon immer." Die Bienen bilden die logische Ergänzung zum Garten, und ich habe die Möglichkeit, ihnen einen Lebensraum zu geben.

 

Das ist natürlich ganz besonders, wenn man einen Partner hat, der so eine Leidenschaft teilt. Und wie habt ihr das dann angefangen mit der Imkerei? Man geht ja sicher nicht in die Zoohandlung und sagt, dass man gern ein paar Bienchen kaufen möchte.

Jeder, der beabsichtigt ein Tier zu halten, sollte sich vorher darüber informieren. Das gilt auch für die Bienenhaltung - als Imker trägt man immerhin für sehr viele Tiere die Verantwortung und ohne konsequente Betreuung stirbt ein Bienenvolk! Wir haben zuerst in Fachliteratur geschmökert, was unser Interesse noch mehr weckte und besuchten einen Grundkurs für Imkerei. Parallel dazu sind wir einem Imkerverein beigetreten und haben dort in Gesprächen, Vorträgen und Praxisnachmittagen viel über Bienen erfahren. Wir haben uns etwa ein halbes Jahr intensiv vorbereitet, bevor wir unsere eigenen Bienen gekauft haben. Und das war gut so. Auch in den Jahren danach haben wir diverse Kurse besucht und schließlich auch die Ausbildung zum Facharbeiter der Bienenwirtschaft gemacht. Je mehr wir über die Bienen wissen, desto faszinierter sind wir von diesen Tieren.

Das kann ich mir gut vorstellen. Man muss sicherlich viel beachten, wenn man Bienenstöcke hat.

Da gibt es wirklich viele unterschiedliche Aspekte... Erst einmal ist da der gesetzliche Aspekt: bei der Aufstellung von Bienenstöcken muss man Abstände zu Nachbarsgrenzen einhalten. Diese Gesetze sind - zumindest in Österreich - je Bundesland verschieden.

Dann ist da noch der Klein-klimatische Aspekt: Der Aufstellungsort muss für die Biene bestimmte Bedingungen erfüllen. Der Bienenstock sollte mit dem Flugloch nach Süd/Südosten ausgerichtet sein, sollte nicht zu schattig, nicht zu feucht, nicht zu windig und in keinem Kältesee stehen. Und für den Imker ist wichtig, dass er den Standort gut erreicht. Und auch der gesundheitliche Aspekt ist wichtig. Man sollte wissen, ob man auf Bienenstiche allergisch ist und entsprechend ausgerüstet sein. Außerdem ist es oft notwendig schwer zu heben - eine volle Honigetage wiegt gute 20 - 25 kg. Ich könnte so ein Gewicht nicht stemmen - da bin ich froh, dass ich einen kräftigen Mann zur Seite habe :-) 

Wichtig ist auch der zeitliche Aspekt: zwischen März und Oktober ist Bienensaison mit regelmäßigen Arbeiten, da gibt es schon alle 8 bis 14 Tage was am Bienenstock zu tun. Ein längerer Urlaub ist da nicht drin - das muss einem bewusst sein. Und ganz zum Schluss noch der arbeitstechnische und räumliche Aspekt: Imkerei besteht nicht nur aus Bienenstock kontrollieren und Honig ernten. Es gibt viele Arbeiten, die nicht so angenehm sind und auch dazu gehören. Und ich möchte auch erwähnen, dass alles klebt. Einfach alles. Für das Material braucht man viel Lagerplatz, ebenso für den Honig, die Gläser, das Wachs, etc. Gerade in der Stadt ist das oft ein Problem.

 

Und in welchem Umkreis sammeln Deine Bienen den Blütennektar?

Bienen haben einen Sammelradius von etwa 3,5 km. Natürlich versuchen sie effizient zu sammeln und weite, kräfteraubende und gefährliche Flugstrecken zu vermeiden. Wenn Bienen in der Nähe des Stocks gute Nahrungsquellen ("Tracht") finden, bleiben sie in der Nähe. Müssten sie sich in der Nähe aber aus vielen verstreuten kleinen Nahrungsquellen mühsam die Nektartropfen zusammensammeln und es bietet sich als Alternative in größerer Entfernung eine Massentracht, also viel Futter an einer Stelle, dann fliegen sie lieber die große Strecke, weil sie dort effizienter sammeln können.

 

Spannend - daher kommt bestimmt der Ausdruck "Fleißig wie eine Biene". Wie fleißig müsst Ihr denn sein? Wie viel Zeit kostet Euch die Imkerei?

Das ist eine wirklich schwierige Frage, aber wenn man die Betreuung der Bienen ernst nimmt und alles Material hygienisch sauber hält, dann ist die Imkerei schon sehr, sehr zeitaufwendig. Die Haupttätigkeiten umfassen regelmäßige Kontrollen der Bienenstöcke, Bildung und Pflege von Jungvölkern, Zucht von Königinnen, Honigernte mit Entdeckeln der Waben und Schleudern, Abfüllen in Gläser, Herstellen der Etiketten und Anbringen an den Gläsern, kontinuierliche Behandlungen gegen die Varroamilbe, Einfüttern vor dem Winter, Rückgewinnung vom Wachs sowie Reinigung und Vorbereitung der Rähmchen und Zargen. Wir haben 20 Bienenstöcke an 4 Standorten und sind in der Hauptsaison jedes Wochenende zumindest einen Tag beschäftigt. Viele Abläufe verlangen aber auch einen Einsatz wochentags nach der Arbeit, da wäre ein Intervall bis zum Wochenende zu groß. Und während des Winters wird das Material in Stand gehalten.

Es gibt ja viele verschiedene Honigsorten. Was macht Ihr in Wien für einen Honig?

Beim Honig unterscheidet man Blütenhonig, Waldhonig und Sortenhonige. In Wien erzeugen die Bienen einen gemischten Blütenhonig. Das fantastische an unserem Honig ist, dass dieser Blütenhonig je nach Standort in Wien und Erntezeitpunkt ganz unterschiedliche Geschmacksnuancen aufweist. Ja, selbst zwei Völker, die nebeneinander stehen, produzieren unterschiedlich schmeckenden Honig. Während große Erwerbsimker alle Ernten mischen, um einen stets einheitlichen Geschmack zu erzielen, und der Honig aus dem Supermarkt auch immer gleich schmeckt, trennen wir aufwändig alle Ernten, um diese Vielfalt zu erhalten. Unsere Kunden sind bei den Honigverkostungen immer begeistert über die Aromen unseres Honigs.

 

Man sagt „Wo Honig ist, da ist Gesundheit“ - kannst Du das bestätigen?

Ein Imker ist natürlich kein Arzt, der Gesundheitstipps geben darf. Aber man sagt im allgemeinen, dass Honig die Widerstandskraft und die Nerven stärkt. Auf die entzündungshemmende und bakterienfeindliche Wirkung weist du in deinem "Honig-Steckbrief" schon hin - da gibt es den speziellen Medihoney als Wundgel und Verband, der zur Wundbehandlung eingesetzt wird. Dieser Medihoney ist im Gegensatz zu Lebensmittelhonig steril. Ich selber esse jeden Tag mein Honigbrot und ich hatte die letzten Jahre in der kalten Jahreszeit nicht einmal einen Schnupfen - das mag jetzt ein Zufall sein. Ich glaube, dass der Honig da auch sein Gutes tut.

 

Das war unglaublich spannend, Doris. Danke, dass Du meine Fragen beantwortet hast - es hat mir Spaß gemacht, mehr über das Imkern und Euren Honig zu erfahren. Besonders toll, dass wir das Gespräch "im Familienkreis" führen konnten. Ich wünsche Euch noch viel Erfolg!

 

Habt Ihr Lust auf Wiener Honig bekommen? www.bienengaertnerin.at

 

Und hier geht es zum Foodie über Honig.

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