Zucker – Fluch oder Segen?

Zucker, das ist ein ganz besonderer Stoff! Das weiß jeder. Er macht glücklich, wenn man traurig ist, er entspannt wenn man gestresst ist, er ist ein Freund in jeder Lebenslage. Aber ist Zucker ein guter Freund oder eher der listige Freund, der uns vordergründig verwöhnt und hintergründig krank macht?

 

Erst mal zur Klärung: Zucker, das sind immer Kohlenhydratmoleküle in verschiedener Zusammensetzung. Die einfachsten Formen sind Glukose (Traubenzucker) und Fruktose (Fruchtzucker) – quasi einzelne „Zuckerlegosteine“. Der Zucker, den wir als weißes Kristall im Schrank finden, ist die Saccharose. Ein Zweifachzucker, der eigentlich aus einem Glukosebaustein und einem Fruktosebaustein besteht. Und dann gibt es noch die Mehrfachzucker, z.B. Stärke oder Ballaststoffe, wie sie in Kartoffeln Obst und Gemüse vorkommen. Hier reihen sich ganz viele Zuckerlegosteine aneinander, in der Regel mindestens 10.

 

Was ist es, das uns durch Zucker so zufrieden macht? Was macht Zucker mit unserem Gehirn? Es löst die Ausschüttung von Dopamin aus – einem Opiat, das beruhigend, zufrieden und entspannt macht. „Naja und?“

fragt man sich dann, das macht Zucker doch noch nicht zu der bösen Art von Freunden, oder? Doch, denn ähnlich wie bei Nikotin, Alkohol oder Drogen, macht Zucker süchtig. Er regt die Geschmacksnerven im Belohnungzentrum des Gehirns an und stimuliert zusätzlich die Produktion von Serotonin, dem Glückshormon.

 

Fakt ist, dass Zucker in unserer Gesellschaft wirklich zu einer Art Sucht geworden ist. Die Menschen nehmen Zucker in den Kaffee oder Tee, frühstücken mit süßen Fruchtaufstrichen, naschen Kekse und Süßigkeiten und löschen den Durst mit Soft- oder Energydrinks. Das sind aber nur die Zuckerportionen, die wir bewusst zu uns nehmen... die Lebensmittelindustrie hat noch einige versteckte Zuckerquellen in petto! Saucen, Fertiggerichte, Milchprodukte, Konservendosen, ja sogar teilweise Tiefkühlobst. Der Durchschnittsdeutsche konsumiert etwa 90 g Zucker pro Tag, während die Empfehlung bei maximal 50 g am Tag liegt.

 

Das liegt daran, dass in vielen Lebensmittelzusammensetzungen der Zucker unter einem anderen Namen auftritt. Da steht vielleicht Saccharose, Raffinose, Glukose, Fructose oder Maltose. Manchmal kann man dort auch Süssmolkenpulver, Malzsirup oder Karamellsirup lesen. Dabei ist der Hersteller nicht verpflichtet, die verwendete Menge des entsprechenden Zuckers im Detail anzugeben.

 

Obwohl Zucker in Maßen wichtig für den Organismus ist, ist er aber auch nicht ganz unbedenklich. Was macht Zucker nun aber so gefährlich, dass überall vor zu großem Konsum gewarnt wird?

Zucker beeinträchtigt die Leistungsfähigkeit des Immunsystems. Er macht schlaff, antriebslos, müde, depressiv und krank. Zucker kann zu Darm- und Hautproblemen führen und das Herz-Kreislaufsystem schwächen. Zu viel Zucker kann Diabetes hervorrufen und die Ents tehung von Krebs fördern.

 

Kommen wir zurück zu den „Zuckerlegosteinen“ Glucose und Fructose. Das sind die kleinsten Bausteine, in die alle Zucker während der Verstoffwechselung, also der Verdauung zerlegt werden.

Glukose kann von praktisch jeder Zelle im Körper genutzt werden, um daraus Energie zu machen. Sie wird über die Blutbahn zu den Zellen transportiert, der Blutzuckerspiegel also erhöht sich. Die Bauchspeicheldrüse erhält nun den Befehl, Insulin zu produzieren, damit das Hormon die Türen zur Zelle für die Glukose aufschließt. Hat es seine Aufgabe erledigt, fällt der Blutzuckerspiegel wieder, was wir in der Folge als „Leistungsabfall“ oder „Unterzuckerung“ empfinden. In dem Moment möchten wir uns wieder gut fühlen und der Körper verlangt nach mehr Zucker. Und schon ist man im

Glukose-Kreislauf gefangen.

Fruktose macht sich hingegen auf direktem Weg zur Leber, weil nur die Leber Fruktose verstoffwechseln kann. Aber sie kann eben nur einen Teil davon speichern – der Rest der überschüssigen Fruktose verwandelt die Leber dann für Notsituationen in Blutfett, sogenannte Triglyzeride. Diese sorgen für eine Verfettung der Leber und vermehrtes Viszeralfett, was wiederum zu Krankheiten des metabolischen Syndroms (Diabetes Typ 2, Arteriosklerose, Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Krankheiten) führen kann.

 

Wichtig ist, den Zuckerkonsum gering zu halten. Vielleicht schafft man es, sich auf max. 10 Teelöffel zu beschränken, dann hat man schon viel erreicht. Die Zusammensetzung von Lebensmitteln sollte man sich genau auf versteckte Zucker durchlesen und industriell hergestellte Produkte meiden. Ein Fruchtjoghurt hat beispielsweise sowieso viel mehr Frucht, wenn man selber ein paar Erdbeeren hineinschneidet - der fertige Erdbeerjoghurt enthält nämlich nicht 10 Erdbeeren, sondern 10 Zuckerwürfel ;-)

Kommentar schreiben

Kommentare: 0